Die Zweikanalwiedergabe ist noch immer der bevorzugte Modus zum Musik hören. Deshalb ist das Interesse an Stereoanlagen nach wie vor ungebrochen.
Stereo ist seit Jahrzehnten der Standardmodus für die Tonaufnahme und Wiedergabe. Bei richtiger Anwendung des Zweikanalsystems lässt sich damit eine Dimension (in diesem Fall die Breitendimension) eines akustischen Ereignisses recht exakt darstellen. Für die prinzipielle Umsetzung dieses Systems muss eine zeitgleiche Aufnahme mit zwei Mikrofonen erfolgen. Diese müssen vor dem aufzunehmenden Klangkörper so aufgebaut werden, dass eines davon nach links und eines davon nach rechts ausgerichtet ist. Wenn eine so entstandene Aufnahme über zwei gleiche Lautsprecher (richtige Aufstellung und richtiger Hörplatz vorausgesetzt) abgehört wird, entsteht eine Simulation des ursprünglichen Klangkörpers. Mit unseren beiden Ohren nehmen wir die unterschiedlichen Intensitäten und Laufzeiten der Toninformationen links und rechts wahr. In Summe entsteht dann ein plastisches, in sich geschlossenes Klangbild, mit Breitenpanorama und klarer Ortbarkeit der einzelnen Klangkörper in der horizontalen Ebene.
Damit die Stereowiedergabe richtig funktioniert, sind bestimmte Vorgaben unerlässlich. Sowohl die Laufzeiten als auch die eingestellten Pegel beider Lautsprecher müssen am Hörplatz exakt übereinstimmen. Der Stereoeffekt ist nur dann deutlich zu hören, wenn alles geometrisch genau stimmt und wenn es um das Stereodreieck herum symmetrische akustische Bedingungen gibt. Der beste (und auch einzige!) Hörplatz befindet sich dann mittig dazwischen, mit einem Abstand, der auch etwa dem der Lautsprecher zueinander entspricht. Bei guter Aufnahmequalität und richtiger Aufstellung sind die Lautsprecher dann nicht mehr als einzelne Schallquellen zu hören und der Klang löst sich von diesen ab.
Alles Andere (und leider auch Übliche) ist kein Stereo, es ist “zweikanalige Raumberieselung”! Das wird nur selten richtig verstanden und auch die Medien weisen nie darauf hin.
Es gibt unzählige Besitzer von Stereoanlagen (ich behaupte: die meisten!), die noch nie damit tatsächlich Stereo gehört haben!
Verschiedene Medien und Gerätearten haben sich mit dem zweikanaligen Modus etabliert und bewährt. Hier einige Beispiele: die analoge Schallplatte, die digitale Schallplatte (CD), der Rundfunk, das Fernsehen, analoge Spulengeräte, analoge und digitale Kassettengeräte, Video-Recorder, Minidisc-Recorder, CD-Recorder und fast immer schon sämtliche Autoradios. In neuester Zeit auch verschiedene digitale tragbare Kleingeräte und Netzwerkplayer.
Eine Anlage für die Stereowiedergabe ist meist technisch einfach und relativ schnell installiert. Grundsätzlich sind nur die verschiedenen Tonquellen eingangsseitig und die beiden Lautsprecher (Kopfhörer) ausgangsseitig anzuschließen.
Wenn Aufnahmequalität, Wiedergabeanlage und Raumakustik keine Mängel aufweisen, können mit der Stereophonie recht hohe Klangansprüche befriedigt werden. Aber! Als “perfekt” kann man sie nicht bezeichnen, denn dort wo sich bei einer originalen Darbietung das musikalische Zentrum befindet (meist ist es die Mitte einer Bühne), gibt es bei der Wiedergabe keine reale Schallquelle, sondern nur so etwas wie eine virtuelle (simulierte) Mitte, die zusätzlich noch nur unter besonders guten Umständen halbwegs gut funktioniert (wie oben beschrieben). Richtig wäre die Wiedergabe mit drei völlig gleichartigen Lautsprechern (links/mitte/rechts) und mit drei “diskret” aufgenommenen Kanälen. Aber dazu ist es zu spät, dieser Zug ist längst abgefahren.
Details zu den wichtigsten Stereo-Tonquellen
Der CD-Player
Seit drei Jahrzehnten gibt es CD-Player, seit etwa zwei Jahrzehnten ist er die Standard-Tonquelle einer HiFi Anlage. Seine Bedienung ist einfach und bei normaler Benutzung kann weder das Gerät noch die CD beschädigt werden. Auch preisgünstige Geräte funktionieren normalerweise jahrelang ohne Probleme.
Eine CD wird durch das Abspielen nie schlechter, weil sie berührungslos abgetastet/ausgelesen wird. Der Zugriff auf einzelne Musiktitel dauert 1-2 Sekunden und auch das Wechseln einer CD ist schnell erledigt.
Alle CD-Player sind fernbedienbar und sie können auch selbst gebrannte CD’s abspielen. Die CD wird – im Gegensatz zur analogen Schallplatte – von innen nach außen abgetastet. Ganz am Beginn, also am kleinsten Durchmesser, befindet sich das Inhaltsverzeichnis mit allen relevanten Daten der CD. Die Drehzahl wird dem jeweiligen Durchmesser angepasst, sie schwankt zwischen ca. 200 und 600 Umdrehungen pro Minute.
Abgesehen von den analogen Cinchausgängen hat (fast) jeder CD-Player auch einen Digitalausgang. Diese Schnittstelle ermöglicht unter anderen auch das verlustfreie digitale Kopieren von CD’s auf digitale Aufnahmegeräte.
Messtechnisch ist der CD-Player über jeden Zweifel erhaben, selbst billige Geräte bringen hochwertige Messgeräte leicht an ihre Messgrenzen.
Grob betrachtet beinhaltet ein Standard CD-Player in seinem Gehäuse zwei Grundeinheiten. Eine Einheit bildet das Laufwerk mit vielen mechanischen Teilen. Zusammen mit dem Laser, den an der Gerätefront liegenden Funktionstasten und einem Display wird hier die CD gelesen, gesteuert und deren Inhalt angezeigt. Die zweite Einheit besteht nur aus elektronischen Bauelementen und wird als D/A-Wandler bezeichnet. Hier werden die digital ausgelesenen Daten einer CD wieder in analoge elektrische Schwingungen zurückgewandelt.
Im Schaltkreis des D/A-Wandlers befindet sich auch das wichtige Digitalfilter und am Ende der Schaltung analoge, niederohmige Ausgangsstufen. Das Digitalfilter hat die Aufgabe, störende Digitalfrequenzen der analogen Ausgangsstufe und auch dem nachfolgenden HiFi-Verstärker fernzuhalten. Im Normalfall müsste dieses Filter sehr steilflankig ausgelegt werden, aber das hätte klanglich negative Auswirkungen. Eine alte und wirksame Methode dieses Filter zu entschärfen wird mit dem so genannten Oversampling erreicht. Dabei wird die Abtastfrequenz mehrere Male verdoppelt und das Filter in wesentlich höhere, sowie unkritischere Regionen verlegt. Die Elektronik kennt verschiedene Filterauslegungen mit unterschiedlichen Eigenschaften. Deshalb haben manche CD-Player mehrere Filter eingebaut, die mittels Taste an der Frontplatte angewählt werden können. Die klanglichen Unterschiede sind aber sehr klein und für Viele nicht einmal erkennbar. Manche Hersteller bieten bei ihren (meist teuren) CD-Playern eine Schnittstelle zwischen Laufwerk und D/A-Wandler an. An der Geräterückseite gibt dann – abgesehen vom Digitalausgang des internen Laufwerkes – zwei bis drei Digitaleingänge, die an der Gerätefront mittels Schalter oder per Fernbedienung anwählbar sind. Der Vorteil dabei ist. dass alle digitalen Quellgeräte einer Anlage dann über diesen einen Wandler laufen, der meist auch recht hochwertig ist. Auch die Lautstärken zueinander sind dann gleich.
Der analoge Plattenspieler
Mit dieser Tonquelle hat die HiFi Geschichte vor etwa sechs Jahrzehnten begonnen. So richtig ausgestorben ist diese Gerätegattung bis heute nicht. Das liegt hauptsächlich daran, dass in vielen Haushalten noch schöne und große Plattensammlungen existieren. Es wäre schade, auf deren Wiedergabemöglichkeit zu verzichten.
Ein Plattenspieler besteht grundsätzlich aus drei Hauptkomponenten, die in höheren Preisklassen auch individuell zusammengestellt werden können: das Laufwerk (das ist der Plattendreher), der Tonarm (das ist das Trage- und Führungselement für den Tonabnehmer) und der Tonabnehmer (das ist eine Zelle, die mechanische Bewegungen in elektrische Tonsignale umwandelt). Alle drei Komponenten haben gleiche Wichtigkeit. Bei einem gut funktionierenden Gerät ist alles aufeinander abgestimmt und optimiert.
Die mechanische Abtastung der Schallplattenrille ist ein sehr sensibler Vorgang, bei dem schon kleinste hinzukommende Vibrationen eine hörbare Klangverschlechterung zur Folge haben. Besonders beim lauten Abhören mit Lautsprechern und bei kräftiger Basswiedergabe kann es dabei zu Problemen kommen, sogar bis hin zu lauten Rückkopplungen. Deshalb werden schon bei der Konstruktion eines Plattenspielers alle Maßnahmen getroffen, um Vibrationen zu verhindern. Zwei grundsätzliche Wege werden dabei beschritten. In einem Fall kommt ein Subchassis zur Anwendung (eine meist auf Federn gelagerte zweite Laufwerksebene), im anderen Fall wird ein Masselaufwerk hergestellt (dieses ist einfach nur schwer, hohes Gewicht ist ein gutes Mittel gegen Vibrationen). Nicht selten werden beide Prinzipien kombiniert, die manches Mal zu extrem aufwändigen Konstruktionen führen. Anmerkung: während des Abspielvorganges sollte unbedingt der Staubschutzdeckel des Plattenspielers entfernt werden. Diese “sehr große Membran” ist besonders empfänglich für störende Schallschwingungen. Im Besonderen für jene, die der Plattenspieler quasi selbst erzeugt und die nach Verstärkung in Form von Schalldruck auf ihn einwirken.
Der Tonabnehmer eines analogen Plattenspielers gibt nur sehr geringe Signalspannungen ab. Es gibt zwei Möglichkeiten, so ein System zu konstruieren. Beim Moving-Magnet System (der Standard) werden winzig kleine Permanentmagnete am beweglichen Nadelträger befestigt und im Systemkörper befinden sich fix montierte Spulen. Beim Moving-Coil System wird dieses Prinzip umgekehrt. Hier befinden sich die Spulen auf dem Nadelträger und die Permanentmagnete sitzen fix im Systemkörper. Der (theoretische) Vorteil des MC-Systems liegt an der besonders geringen bewegten Masse (ein paar “hauchdünne” Drahtwicklungen sind leichter als zwei Magnetplättchen). Zur Funktion ist aber ein spezieller Vorverstärker mit sehr hohem Verstärkungsfaktor notwendig.
In jedem Fall hat der Phono-Vorverstärker die schwierige Aufgabe, die kleinen Signalspannungen brumm- und rauschfrei zu verstärken. Die Verstärkung darf dabei nicht linear erfolgen, sondern muss einer international geschaffenen Norm (RIAA-Entzerrung) entsprechen. Dabei werden die tiefen Frequenzen gegenüber den hohen recht stark angehoben. Das hat folgenden Grund: damit bei der Schallplattenherstellung die Auslenkungen der Rillen im Tieftonbereich nicht zu groß werden, wird deren Amplitude mit tiefer werdender Frequenz kontinuierlich verringert. Die spiegelverkehrte Entzerrung im Phono-Vorverstärker sorgt dann bei der Wiedergabe wieder für linearen Frequenzverlauf. Die exakte Einhaltung der vorgegebenen Entzerrung, die extreme Tieftonanhebung und der hohe Verstärkungsfaktor (ca. 35dB für MM und ca. 60dB für MC bei 1kHz) machen die Konstruktion eines guten, sowie brumm- und rauschfrei funktionierenden Phono-Vorverstärker nicht ganz einfach.
Der analoge Tuner (Radio-Empfänger)
Diese Komponente wird in den meisten Fällen nur als weniger wichtige Tonquelle und hauptsächlich zur Musikberieselung angeschafft. Die tonqualitativen und messtechnischen Eigenschaften eines guten UKW-Tuners sind aber absolut in Ordnung. Wenn man die Möglichkeit hat, sich an ein Kabelnetz oder an eine optimal ausgerichtete terrestrische Antenne anzuschließen, ist weitgehend rauschfreier und auch sonst tadelloser Radioempfang gewährleistet. Die obere Frequenzgrenze von ca. 15kHz reicht auch für hohe Ansprüche absolut aus. Leider legen aber die wenigsten Sendestationen Wert auf hohe Tonqualität. Viel wichtiger scheint zu sein, einen möglichst hohen Lautstärkepegel gegenüber den Mitbewerbern zu liefern. Dazu wird das Frequenzspektrum im oberen und unteren Frequenzbereich stark beschnitten und zusätzlich die Dynamik komprimiert. Es gibt aber auch positive Ausnahmen. An einer guten HiFi Anlage hört man das recht deutlich. Gut ausgestattete Geräte haben zwei Antenneneingänge, genügend Speicherplätze, Sendersuchlauf RDS (Radio-Data-System) und eine Fernbedienung. Leider haben viele Tuner noch ein völlig unnötiges Mittelwellenempfangsteil eingebaut. Über kurz oder lang wird das Internetradio den analogen Radioempfang ablösen.
Oft kommt schlechter Klang schon von der Quelle her. Schuld daran sind fast nie die Quellgeräte selbst, sondern die Qualität der Aufnahmen. Wenn das der Fall ist, kann auch die beste HiFi Anlage nichts mehr daran verbessern. Sogar das Gegenteil ist der Fall, weil Fehler dann noch deutlicher hörbar werden.