Verbindungskabel sind notwendiges Zubehör – mehr nicht!
KURZ UND BÜNDIG
- Zu einer guten HiFi Anlage gehört auch eine ordentliche Verkabelung, aber es ist lächerlich, daraus eine “Wissenschaft” zu machen!
- Wenn eine HiFi Anlage schlecht klingt, helfen teure Kabel auch nicht.
- LS-Kabel können auch unterschiedlich lang sein und ohne Stecker geklemmt werden.
- Der notwendige Querschnitt von LS-Kabeln wird stark überschätzt.
Die einzelnen Komponenten einer HiFi Anlage müssen mittels Kabel verbunden werden. Selbstverständlich sollte die Übertragung der elektrischen Informationen verlustfrei erfolgen. Dazu ist ein tadelloser Kontakt zwischen Stecker und Buchse und einwandfreies Kabelmaterial notwendig. Über die klanglichen Auswirkungen von Kabeln wird viel diskutiert. Gesteuert von den Medien und von der Industrie, wird der Verkabelung einer HiFi Anlage hohe Wichtigkeit beigemessen. Viele HiFi-Enthusiasten berichten auch von deutlich hörbaren Unterschieden, andere behaupten das Gegenteil. Das sollte jeder für sich entscheiden, am besten durch verblindete Tests. Was dabei rauskommt wird mit Sicherheit “ernüchtern”, denn bisher war weltweit (!) noch Niemand in der Lage, die vermeintlich gehörten Unterschiede auch zu beweisen. Das sollte zumindest zu denken geben!
Fast jeder Kabelhersteller verwendet ausgeklügelte Kabelarchitekturen, mit speziellen Materialien für die Leiter und Isolationsschichten. Selbstverständlich gibt es dazu auch immer eine spezielle Firmenphilosophie mit (unüberprüfbaren) technischen Argumenten. Für besonders edle Verbindungskabel wird oft reines Silber oder gar eine Silber/Goldlegierung als leitendes Material verwendet. Bei diesen Kabeln hat das Grundmaterial schon einen recht hohen Preis. Weil Gold immer den Eindruck des “Besonderen” erweckt, verwenden manche Gerätehersteller vergoldete Anschlussbuchsen. Auch die Steckerkontakte werden gerne vergoldet. Aber abgesehen vom optischen Eindruck bringt das nicht allzu viel, weil Gold keine außergewöhnlich guten elektrischen Eigenschaften hat. Gold hat aber zumindest den Vorteil, dass es keine Oxydschicht bildet und dadurch immer guten Kontakt ermöglicht. Beim Silber ist das umgekehrt, es hat sehr gute elektrische Eigenschaften, oxydiert aber leicht.
In jeder Beziehung ausreichend gut ist Kupfer. Sämtliche Bauteile haben Anschlussdrähte aus Kupfer, die Leiterbahnen der Printplatten bestehen aus Kupfer und für die interne Verkabelung werden fast ausnahmslos Kupferkabel verwendet. Inwieweit dann ein (meist relativ kurzes) externes Verbindungskabel mit Silberleitern Sinn macht, darüber sollte ebenfalls nachgedacht werden…..
Zur Standardverbindung zwischen den HiFi Geräten werden Cinchbuchsen (an den Geräten) und Cinchstecker (an den Kabeln) verwendet. Die Kabel dazwischen sind meist so genannte Koax-Kabel. Sie beinhalten im Normalfall einen einpoligen isolierten Innenleiter, der von einem Abschirmungsgeflecht umgeben ist. Diese Art der Zusammenschaltung von Geräten wird als “unsymmetrisch” bezeichnet. Bei teuren HiFi Geräten wird oft zusätzlich die von der Studiotechnik her bekannte symmetrische XLR-Verbindung angeboten. Hier gibt es, abgesehen von der Abschirmung, zwei signalführende Innenleiter und demnach drei Pole an den (wesentlich größeren) Steckern und Buchsen. Cinch- und XLR-Steckverbindungen werden auch für digitale Verbindungen verwendet. Andere Verbindungsnormen sind eher selten, manche Hersteller gehen aber eigene Wege. Symmetrische XLR-Verbindungen unterscheiden zwischen Aus- und Eingang! Der Signalausgang eines Gerätes ist immer “männlich” (Stifte), dort wird die Kabelkupplung angeschlossen. Der Eingang eines Gerätes dagegen ist immer “weiblich” (Buchse), dort wird der Kabelstecker angeschlossen. Ein XLR-Kabel ist somit nur in einer Richtung verwendbar. Praktisch ist, dass man sie auch als Verlängerungskabel verwenden kann.
In manchen Geräten wird schaltungsbedingt die Phase um 180 Grad gedreht. Die Hersteller dieser Geräte korrigieren das durch auskreuzen der signalführenden Pole (2 und 3). Solange Geräte des gleichen Herstellers oder welche mit gleicher Kontaktbelegung zusammengeschaltet werden, stimmt die Phase am Ende der Gerätekette. Im anderen Fall spielt die gesamte Anlage phasenverkehrt. Das fällt zwar nicht wirklich auf, aber alleine die Vorstellung, dass bei jedem Anschlag der großen Schlagzeugtrommel (die mit einer Fußmaschine betrieben wird) die erste und weitaus größte Auslenkung sich nicht in Richtung Zuhörer, sondern sich von ihm weg bewegt, ist Grund genug, diesem Thema Aufmerksamkeit zu widmen.
Kabel zur Übertragung digitaler Daten (Digitalkabel) haben spezielle elektrische Eigenschaften. Der Wellenwiderstand beim unsymmetrischen Kabel beträgt 75 Ohm, beim symmetrischen 110 Ohm. Sie sollten nicht durch normale Kabel ersetzt werden (obwohl das meist klaglos funktioniert) und wenn, dann sollte es zumindest ein Antennenkabel sein, das ähnliche elektrische Eigenschaften hat. Für die digitale Verbindung werden auch Lichtleiter eingesetzt, die vor allem den Vorteil haben, dass sie erdungsfrei übertragen und somit keine Brummschleife entstehen kann. Trotzdem ist diese Verbindung nicht grundsätzlich besser, messtechnisch ist sie sogar schlechter als eine mit Koax-Kabel. Dafür gibt es zwei Gründe. Einer davon liegt an der recht unpräzisen und “wackeligen” Steckernorm (Toslink), die keine optimale optische Verbindung ermöglicht. Der andere an den dann notwendigen Bauteilen in den Geräten, die elektrische Impulse in Lichtimpulse – und Lichtimpulse wieder in elektrische Impulse umwandeln müssen. Diese Bauteile arbeiten mit Verlusten, wodurch die ursprünglich sauberen Rechtecksignale “verschliffen” werden und an Intensität verlieren. Die Folge können Tonaussetzer sein. In der Praxis haben sich Lichtleiterkabel mit Längen von bis zu 2 Meter trotzdem bestens bewährt. Über diese Länge hinaus sind Cinchkabel vorzuziehen.
Die Kabel zu den Lautsprechern können unterschiedlich lang sein, auch wenn immer wieder das Gegenteil behauptet wird. Bei einem fertig konfektionierten Kabelsatz ab Werk ist das zwar nicht möglich, aber bei Meterware von der Rolle können die Kabel genau nach Bedarf gekauft werden. Der notwendige Querschnitt von LS-Kabeln wird allgemein viel zu hoch eingeschätzt, im Normalfall sind 2,5mm² absolut ausreichend (Details unter “Realistische Betrachtungen” in dieser HP). Gute Anschlussbuchsen (sowohl an den Verstärkern als auch an den Lautsprechern) bieten meist drei verschiedene Kontaktmöglichkeiten an: das abisolierte Ende eines Kabels (direkte Klemmung), Bananenstecker oder Gabelschuhe. Bananenstecker in der Standardausführung haben meist nur geringe Federkraft, wirklich ideal sind sie somit nicht. Es gibt aber bessere, bei denen die geschlitzten Kontakte mit einem Schraubdorn gespreizt werden können. Sehr gut geeignet sind Gabelschuhe, weil sie mit Schraubkraft geklemmt werden. Aber die billigen aus hartem Blech lösen sich leicht, wenn am Kabel gewackelt wird. Um vieles besser sind die teuren Sandwich-Spades. Sie bestehen aus zwei Metallschichten, mit einer dazwischen liegenden, weichen Kunststoffschicht. Das bewirkt sowohl besseren Kontakt, als auch besseren Halt. Aber die billigste Lösung (zumindest vom Kontakt her) ist eine der besten. Es spricht nämlich nichts dagegen, die abisolierten Kabel einfach blank zu klemmen (nicht verzinnen!). Warum das immer so “verteufelt” wird, ist völlig unklar, wäre nur jeder Kontakt so gut! Das Argument, dass die abisolierten Kabelenden oxydieren können stimmt zwar, aber das dauert Jahre und würde nur Auswirkungen haben, wenn umgeklemmt wird. Meist sind die Kabel dann lang genug, dass man sie um 1-2 Zentimeter kürzen- und neu abisolieren kann.
Übliche Lautsprecherkabel sind zweiadrig, zumindest ein Pol ist zwecks richtigem Anschluss gekennzeichnet. Es gibt aber auch mehrpolige Kabel, die speziell verschaltet werden müssen um die ihnen zugedachten Eigenschaften zu entfalten (na ja…..).
Immer wieder wird behauptet, dass auch die Stromkabel den Klang von HiFi Geräten beeinflussen! Eine logische Erklärung dafür gibt es allerdings nicht. Logisch ist aber, dass nach erfolgter Stromreinigung durch ein Netzfilter, diese zumindest abgeschirmt und mit guten Steckern versehen sein sollten, damit ein weiteres Eindringen von Elektrosmog verhindert wird.
Fast alle Kabel haben heute eine aufgedruckte Richtung, um sie dem Signalfluss entsprechend anzuschließen (Voodoo?).
Die Länge der Kabel ist nicht so kritisch wie oft angenommen, trotzdem sind kürzere Kabel immer vorzuziehen. Das hat aber weniger mit etwaigen Verlusten zu tun, sondern mit der Tatsache, dass jedes Kabel auch eine Antenne darstellt, das Störsignale aus der Luft (Elektrosmog) aufnimmt. Vorteile haben hier symmetrische Verbindungen. Sie sind für größere Längen deshalb besser geeignet, weil sich Störsignale zwischen den beiden Polen gegenseitig aufheben. Aber nicht immer ist diese Verbindung auch klanglich besser, das hängt von der Schaltungstechnologie der Geräte ab (Details unter “Symmetrisch und Unsymmetrisch” in dieser HP).
Nicht sehr lang und sehr gut abgeschirmt sollte das Verbindungskabel sein, welches vom analogen Plattenspieler zum Phono Eingang eines Verstärkers führt (max. 2 Meter). Diese Verbindung ist besonders anfällig auf von außen eindringende Störungen wie Wechselstrommagnetfelder und Schaltspannungen, weil hier besonders geringe Signale übertragen werden, die dann besonders hoch verstärkt werden müssen.
Inwieweit es tatsächlich klangliche Unterschiede zwischen unterschiedlichen Kabeln gibt, wird seit bald Jahrzehnten in Fachkreisen und in einschlägigen Foren heftig diskutiert. Fakt ist, dass messtechnisch nichts darauf schließen lässt und dass bisher jeder Versuch derartige Behauptungen verblindet zu beweisen, gescheitert ist. Die Vermutung, dass hier ausschließlich Eigen- bzw. Fremdsuggestion im Spiel ist, liegt dagegen sehr nahe.