Trinaurale Musikwiedergabe

Das Bessere ist der Feind des Guten. Dieser Satz trifft hier leider voll ins Schwarze, auch wenn man es vorerst nicht so recht glauben will.

Stereo ist seit Jahrzehnten der etablierte Modus für die hochwertige Musikwiedergabe. Wir kennen nichts (oder kaum) Anderes und wir sind damit (mehr oder weniger) zufrieden. Was uns dabei gar nicht (mehr) auffällt ist die Tatsache, dass dort wo sich auf einer Bühne das eigentliche Geschehen abspielt – nämlich meist in der Mitte – es bei der Wiedergabe keine physikalische Schallquelle (Box) gibt, sondern im Bestfall eine “gut funktionierende virtuelle Mittenabbildung”. Aber selbst diese gibt es nur bei ganz exakter Einhaltung der dazu notwendigen Abstände und wenn rund um das sogenannte Stereodreieck weitgehend symmetrische Bedingungen herrschen. Es ist sogar so, dass diese virtuelle Mitte umso kleiner (aber auch umso ausgeprägter) wird, desto genauer alles ist. Das ist wie beim Fokussieren zweier Lichtpunkte, die gemeinsam umso heller werden, desto gebündelter und genauer sie aufeinander treffen.

Stereo kann also unter allerbesten Bedingungen gut funktionieren, aber schon eine kleine Kopfbewegung genügt (Laufzeitfehler!) und der “Zauber” ist vorbei. Die räumliche Wiedergabe funktioniert dann nicht mehr, weil man als Hörer den Punkt der Fokussierung verlassen hat. Bei speziellen Boxen kann dieser “Sweetspot” konstruktionsbedingt größer sein, aber dann gibt es auch keine präzise Abbildung, denn das Eine schließt das Andere aus/ein, da ist die Physik wieder einmal erbarmungslos.
Alle bisherigen mehrkanaligen Versuche sind leider gescheitert, entweder aus (damals) unzulänglichen technischen Möglichkeiten (Quadrophonie mit der analogen Schallplatte – das hat ja schief gehen müssen!) oder aus “Vernunft” (viel später dann), weil Jedem klar war, dass sämtliche einschlägigen digitalen Formate wegen ihrer Kurzlebigkeit keinen Bestand haben. Kaum kreiert, kommt schon wieder das Nächste nach, so ist das nun mal in der digitalen Zeit. Auch die Betreiber der Aufnahmestudios waren nicht bereit, laufend (und dazu noch sehr teuer!) umzurüsten. Ein weiterer Grund für die Nichtannahme von neuen Wiedergabenormen sind die teils großen Sammlungen von analogen Schallplatten und/oder CDs, die nur zweikanalig produziert wurden. Diese könnte man (allerdings wieder “nur” auf vergänglicher digitaler Basis) zwar wiedergabeseitig mit speziellen Kunstschaltungen auf mehrere Kanäle “aufblasen”, aber auch das hat bisher kaum ein Hersteller erfolgreich geschafft.

Vor ca. 10 Jahren gab es in den A/V-Receivern noch Raumsimulationsprogramme (Dolby Pro-Logic), sie wurden aber mit der Zeit immer weniger und die aktuellen Geräte beinhalten sie gar nicht mehr. Auch waren sie immer für die 5.1 Wiedergabe gedacht, quasi als Zusatz zur sonst digitalen Mehrkanalwiedergabe mit Bild.

Seit vielen Jahren (genau genommen Jahrzehnten) sind mir die Unzulänglichkeiten der Stereowiedergabe bewußt, aber auch mir ist nichts Anderes übrig geblieben, als mich damit abzufinden. “Klingt ja eh’ gut wenn alles passt” – so die Selbstbeschwichtigung. Aber wann und wo passt schon alles? Ein  deutscher Berufskollege mit dem ich in Kontakt bin, hat aus den USA einen Prozessor importiert, der auf analoger Basis aus den beiden Stereosignalen drei Frontkanäle macht. Wie das technisch geht ist eigentlich nichts Neues, Ähnliches gab es schon in “Urzeiten” zur Bildung von rückwärtigen Kanälen (die teils mit künstlich erzeugtem Hall angereichert wurden), um aus kleinen Hörräumen scheinbar große zu machen. Ich selbst hatte eine Zeit lang so etwas in Verwendung (und auch danach immer wieder), allerdings kam ich dabei nie auf die Idee, damit drei Frontkanäle zu realisieren. Mit einer relativ einfachen Formel auf Substraktions- und Additionsbasis kann man die Sache aber ebenso für drei Frontkanäle elektronisch umsetzen. Und das habe ich getan. Schon der Prototyp hat tadellos funktioniert und das klangliche Erlebnis hat voll überzeugt. Plötzlich ist aus der “übersensiblen” virtuellen Mitte eine deutlich ausgeprägtere “reale” geworden und der winzige Sweetspot ist zu einem relativ großen “Hörfenster” angewachsen. Selbst das gemeinsame Hören zweier Personen nebeneinander beim Hörplatz ist jetzt ohne allzugroßer klanglicher Einschränkungen möglich. Bei der Stereowiedergabe funktioniert das nicht einmal ansatzweise, weil dann sowohl die Intensität als auch die Laufzeiten im wahrsten Sinne des Wortes “völlig daneben” sind. Halbwegs perfekt Stereo hören kann immer nur eine einzige Person und die darf sich keinen Dezimeter aus dem Sweetspot heraus bewegen (ich spreche ganz bewußt von “perfekt” und nicht von Berieselungsmusik, die immer und überall funktioniert!). Man bedenke: die Wellenlänge beträgt bei 1kHz 34cm und bei 10kHz 3,4cm! Das soll jetzt nicht als Schreckgespenst dienen, sondern nur aufzeigen, daß Stereo – und im Besonderen die virtuelle Bühnenmitte dabei – eine äußerst “wackelige” Angelegenheit ist, die nur in den seltensten Fällen wirklich befriedigend funktioniert. Vielleicht wird damit auch klar, wie wenig sinnvoll ein “Balancesteller” ist, denn ein Lautstärkeausgleich löst das eigentliche Problem, nämlich die verschiedenen Laufzeiten, nicht.

Bei der dreikanaligen (Trinaural-) Wiedergabe ist das alles unvergleichlich besser.
Auch bei noch so kritischem Hören sind keinerlei Nachteile bemerkbar. Selbstverständlich lässt sich auch hier die Physik nicht überlisten, aber man schafft einfach wesentlich bessere physikalische Voraussetzungen für eine stabilere und “naturgetreuere” Wiedergabe (die in jedem Fall eine reine Illusion ist, da brauchen wir uns nichts vorzumachen).

Der selbstgebaute Prozessor
Wie so oft entpuppt sich eine ursprünglich einfache Sache bei ordentlicher und möglichst perfekter technischer Umsetzung dann doch als “aufwändiges Trumm”. Obwohl das von mir gebaute Gerät vergleichsweise winzig klein ist (etwa zwei Handflächen groß), gibt es im Inneren einige Operationsverstärker samt dementsprechender Periferie und dem dazu notwendigen Netzteil. Das Gehäuse ist aus stabilem Aluminium. Rückwärts gibt es mehrere Cinch- und XLR-Buchsen, sowie einen Stromanschluß. An der Front rechts befindet sich der Ein-Ausschalter mit integrierter Leuchtdiode. Links gibt es zwei Drehknöpfe. Mit einem (Tandem-Poti) kann man die Lautstärke der äußeren Boxen verändern (ausreichende plus/minus Reserven vorhanden) und mit einem zweiten die Intensität der gegenphasigen Ausblendung.

Die Signalanschlüsse (Belegung unsymmetrisch):
-> linker und rechter Eingang,
-> linker, rechter und Center Ausgang (Trinaural),
-> linker und rechter Ausgang mit unverfälschtem Stereosignal. Dient bei Bedarf auch als Stereo-Subwooferausgang,
-> Mono-Ausgang (Links/Rechts-Summe) - bzw. Mono-Subwooferausgang. Damit ist jede erdenkliche Konfiguration möglich. Ein großes Problem könnte die Anschaffung (da meist nur paarweise erhältlich) und Aufstellung der Centerbox werden. Im Idealfall verwendet man drei gleiche Boxen. Unter besondern Umständen (idente Mittel-und Hochtöner) könnten die äußeren Boxen auch kleiner sein. Bei passiven Boxen ist ein weiterer Verstärker (Monoblock) notwendig (fällt bei aktiven Boxen weg).

Die Aufstellung der drei Boxen weicht vom klassischen Stereo ab, denn die Boxen müssen grundsätzlich radiusförmig zum Hörplatz angeordnet werden, mit einem Öffnungswinkel von (idealer Weise) 90 Grad. Es ist nämlich zwingend notwendig, dass der Schall aller drei Boxen phasengleich beim Hörplatz ankommt. Ist eine radiusförmige Aufstellung nicht möglich sondern nur die auf einer Ebene, muss die mittlere Box zeitverzögert arbeiten. Das ist heute kein großes Problem mehr und bei DSP-gesteuerten Aktivboxen (wie ich sie herstelle) mit wenigen Mausklicks erledigt. Dass die trinaurale Wiedergabe nicht ganz billig sein kann ist klar, aber der klangliche Gewinn ist auch deutlich hörbar.

Wenn Sie an der dreikanaligen Wiedergabe interessiert sind, dann nehmen Sie Kontakt zu mir auf.