DAS SCHWÄCHSTE GLIED IN DER KETTE IST
MEIST DIE AUFNAHME
Dadurch spielt fast jede HiFi Anlage schlechter als sie könnte!
Der Kurzbegriff HiFi steht für hohe Wiedergabegüte und Klangtreue. Somit sollte sich die über eine HiFi Anlage wiedergegebene Musik so wenig wie möglich vom Original unterscheiden. Aber wie kann man das prüfen? Unter normalen Umständen ist das schon deshalb nicht möglich, weil es gar nie ein Original gegeben hat. Bis auf ganz wenige Ausnahmen gibt es nur noch Studioproduktionen. Genau genommen sind es "Kunstprodukte" zu denen es keinerlei Anhaltspunkte gibt.
Vor allem Musik aus dem Pop-Bereich entsteht heute weitgehend
am Computer. Falls es dabei Gesang gibt, wird dieser oft bis zur Unkenntlichkeit
elektronisch verzerrt. Inwieweit man das Endergebnis dann als Musik bezeichnen kann,
ist Einstellungssache. Zum Testen einer HiFi Komponente- oder Anlage sind diese
unnatürlichen Klanggebilde jedenfalls nicht geeignet.
Auch bei anspruchsvolleren Produktionen werden immer mehr Instrumentenklänge mittels
Elektronik künstlich nachgebildet. Schlagzeug, Klavier, Streicher, Bläsersätze und
auch Chorgesang können heute realitätsnah (für den Laien nicht erkennbar) erzeugt
werden.
Das alles macht es uns nicht einfach, zu beurteilen was richtig klingt und was
nicht. Auch ist es so, dass die wenigsten Menschen den natürlichen Klang von
Instrumenten kennen (die meisten HiFi Berater auch nicht!). Fast jeder Befragte
sagt, dass sein letzter Besuch eines Klassik- oder Jazzkonzertes "ewig" zurückliegt.
So jemand kann den natürlichen Instrumentenklang nicht als Referenz heranziehen.
Berufsmusiker können das sicher wesentlich besser, sie haben den Originalklang noch
eher im Kopf gespeichert. Aber auch ihre Aussagen sind mit Vorbehalt zu betrachten,
denn es ist nicht das Gleiche, ob man ein Instrument selbst spielt (Körperkontakt),
oder es aus einiger Entfernung hört.
In den meisten Fällen hören und vergleichen wir manipulierte
und konservierte Klänge, wiedergegeben über mehr oder weniger gute HiFi Anlagen,
in Hörräumen mit meist schlechter Raumakustik.
Oder anders: wir vergleichen die selbe Aufnahme auf verschiedenen Anlagen -
dazu oft noch in verschiedenen Räumen - und das ohne Referenz!
Somit reduziert sich alles auf "gefällt besser" bzw. "gefällt weniger", unter Einbeziehung
der gegebenen Umstände. Wobei das was besser gefällt, nicht unbedingt richtig(er)
sein muss.....
"Live" wird immer anders sein, dafür sorgen schon die Tontechniker....
Jeder der einmal Gelegenheit hat, aus nächster Nähe eine gute (und gut musizierende)
Jazzband zu hören, wird vermutlich feststellen, dass die klangliche Wirklichkeit
sich stark von dem unterscheidet, was man üblicher Weise von HiFi-Anlagen her kennt. Der
hauptsächliche Grund dafür ist nicht die Gesamtlautstärke an sich, sondern die
Dynamik, welche die Bandbreite zwischen den leisesten und den lautesten akustischen
Signalen definiert. Diese "internen" Lautstärkeunterschiede sind im Original derartig
groß, dass eine 1:1 Aufnahme davon auf keiner "normalen" Wiedergabeanlage vernünftig
abspielbar wäre. Eine dementsprechend dimensionierte HiFi Anlage könnte das problemlos,
aber auch nur bei naturnahen Lautstärken. Da solche Anlagen für den Heimbedarf zu
groß sind und auch kaum so laut betrieben werden können, wird die Dynamik von Aufnahmen
welche für den Massenmarkt bestimmt sind, stark reduziert. Besonders bei Pop-Aufnahmen
wird dabei nicht "zimperlich" vorgegangen und das ist auch der hauptsächliche Grund,
warum Aufnahmen dieser Musikrichtung oft flach und gleichförmig klingen.
Eine erste Dynamikkompression geschieht meist schon ganz am Anfang, also bereits
bei der Einspielung von Einzelinstrumenten und Stimmen. Weitere Dynamikkompressionen
gibt es dann bei der Nachbearbeitung im Studio. Das geschieht mit speziellen Geräten,
die leise Töne lauter- und laute Töne leiser machen. Zusätzlich werden besonders
hohe Spitzenpegel von einem Limiter gekappt. Am Ende gibt es dann oft nur
noch eine "Klangwurst", die jeglichen Live-Charakter verloren hat.
Die auf diese Art "zutode komprimierten" Musikproduktionen sind heute leider im Pop-Bereich
Standard, denn es geht dabei längst nicht mehr um Tonqualität, sondern nur noch
darum, im Vergleich zur Konkurrenz lauter zu sein. Ähnlich ist es bei den
Radiostationen, wo auch in erster Linie danach gestrebt wird, die Konkurrenz mittels
Lautstärke zu verdrängen.
Aber es gibt auch gute (sogar sehr gute) Tontechniker, so wie auch gute
(sogar sehr gute) Aufnahmen. Sie sind nur nicht die Regel. Leider! Im Klassik-
und Jazzbereich ist die Situation zum Glück noch wesentlich besser.
Bei der Wiedergabe eines Musikstückes stellt die HiFi Anlage
nur noch das letzte kurze Teilstück einer insgesamt langen Kette dar.
Wesentlich länger und komplexer ist der Anteil, den wir nicht beeinflussen können
und den wir als fertige Produktion auf einem Tonträger (oder als Download aus dem
Internet) zu kaufen bekommen. Das heißt, alle Faktoren die bei der jeweiligen Musikproduktion
klang bestimmend waren, sind Bestandteil der Aufnahme und für den Endkonsumenten
unabänderlich.
Hier nur eine kleine Auflistung davon:
die Raumakustik des Aufnahmestudios (bei Studioaufnahmen) oder des Konzertsaales (bei Live-Aufnahmen),
unzählige Mikrofone (auch sie haben Klangeigenschaften!), die bei gleichzeitiger Verwendung Überlappungseffekte und Laufzeitunterschiede verursachen,
einige hundert Meter Kabel (der Meterpreis ist nicht einmal der Rede wert!),
die Instrumentenverstärker (sicher weit von der Qualität moderner HiFi Komponenten entfernt),
die Studiomischpulte mit ihrer extrem komplexen Elektronik und den sehr langen Signalwegen,
weitere Studioelektronik wie A/D- und D/A- Wandler, diverse Verstärker, Limiter, Equalizer, Hallgeräte, Dynamikkompressoren und vieles mehr,
bei der analogen Schallplattenherstellung kommt zusätzlich die Qualität der Schneideanlage und dessen Leistungsverstärker hinzu.
Die technische Ausstattung eines modernen Aufnahmestudios ist zwar sündteuer, aber bei der Wahl der Geräte steht die Klangqualität nicht an erster Stelle. Der Verkabelung wird überhaupt keine Wichtigkeit beigemessen (Kabeltrommeln), hier zählt vor allem Funktionalität und Robustheit.
Zur Arbeit der Tontechniker gehört die Klangkorrektur und Tonmanipulation
jeder einzelnen Tonspur, jeder Stimme und jedes Instruments. Immer wieder gibt es
den digitalen Schnitt, unzählige hin- und her Überspielungen bzw. Kopien, Beimischungen
usw. Das alles läuft heute über computergesteuerte Harddisc-Recorder. Dazu mischt
sich dann noch der persönliche Geschmack der Tontechniker sowie des Produzenten.
Mit HiFi hat das alles längst nichts mehr zu tun!
So betrachtet ist es verwunderlich, dass es trotzdem einige (wenige) gute Aufnahmen
gibt. Aber sicher sind es immer die, wo es relativ wenig Manipulation bei der Produktion
gab.
Fakt ist, dass das vorhandene Qualitätspotential von hochwertigen HiFi Anlagen nur selten voll ausgeschöpft wird, weil die im Normalfall zur Verfügung stehenden Aufnahmen frühe Grenzen setzen. Das liegt vor allem an der Art und Weise, wie die meisten Musikstücke produziert werden. Schon alleine die Tatsache, dass kaum eine Studioaufnahme als Ganzes, sondern fast immer nur durch das Zusammenmischen von mehreren Einspielungen zustande kommt, lässt viel an Natürlichkeit, Emotion und Spontanität vermissen. Nicht selten kommt es dabei vor, dass die an einem Musikstück beteiligten Studiomusiker sich nicht einmal kennen und die verschiedenen Einspielungen Monate auseinander liegen. Obwohl solche Aufnahmen sehr sauber und präzise klingen können, sind sie nicht geeignet, um damit die Klangneutralität einer HiFi Anlage zu beurteilten. Eine homogene und räumliche Wiedergabe kann bei so einer "akustischen Addition" auch nicht zustande kommen, weil es nie einen gemeinsamen Klangkörper gegeben hat. Wesentlich besser sind hier die "One-Point" Aufnahmen. Manche Hersteller (Denon) haben sich sogar darauf spezialisiert. Ähnliches gab es auch schon vor etwa 30 Jahren mit den so genannten Direktschnitten auf analogen Schallplatten. Einige davon musste man sogar (bei 30cm Durchmesser) mit 45U/min abspielen, da man auch damals schon erkannte, dass 331/3U/min für hohe Tonqualität- und Dynamik nicht ausreichen.
Die Frage, wo man mit der Audiotechnik qualitativ steht, hat
in der Vergangenheit einige interessante, aber auch aufwändige Versuche zustande
kommen lassen. Bei einem dieser Tests wurde auf einer dafür vorbereiteten Bühne
sowohl ein Orchester, als auch eine sehr aufwändige, vollaktive, 5-Wege Großanlage
spielfertig aufgebaut. Mehrere Personen mit geschultem Gehör waren dazu aufgefordert,
sich das vom Orchester dargebotene Musikstück so gut wie möglich akustisch einzuprägen.
Für den unmittelbar darauf folgenden Vergleich wurde die Musik gleichzeitig und
völlig unverfälscht in eine digitale Aufnahmemaschine mit hoher Auflösung eingespielt.
Dazu wurden am Hörplatz nur zwei extrem hochwertige Mikrofone aufgebaut.
Die auf diese Art entstandene Aufnahme wurde dann sofort über die Wiedergabeanlage
abgespielt. Das Ergebnis war erstaunlich, denn laut allgemeiner Aussage der Testpersonen
war zwischen dem Original und der Konserve praktisch kein signifikanter Unterschied
feststellbar! Womit der Beweis erbracht wurde, dass es mit moderner Aufnahme- und
Wiedergabetechnik möglich ist, verlustfrei akustische Ereignisse zu speichern und
zu reproduzieren.
Der hier in Kurzform geschilderte Test wird im Original sehr genau erklärt und hat
die Länge von vier voll geschriebenen A4 Seiten. Interessantes Detail am Rande:
mit keinem Wort wurde dabei auf die Verkabelung eingegangen!
Mit Sicherheit würden viele Dinge die sich in einem Tonstudio abspielen, bei so manchem "HiFi-Freak" Entsetzen hervorrufen! Umgekehrt lachen viele Tontechniker über die "HiFi-Spinner" und deren Ansichten.....
Achtung! Dieser Artikel wurde zur Gänze
von David Messinger erstellt. Es ist nicht gestattet, diesen ganz
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